Dienstag, 7. März 2017

Tag 6 - von Hammerfest, Havøysund und Honningsvåg zum Nordkap und weiter in die Barentssee

In den frühen Morgenstunden erreichen wir Hammerfest, die (wenigstens vormals) nördlichste Stadt der Welt. Es ist neblig, die Wolken hängen tief, und man kann schämenhaft den größten (und wahrscheinlich nördlichsten ;-) LNG-Abfüll-Terminal der Welt erkennen. Auf der nordgehenden Tour ist dies jedoch nur ein Kurzstop und es geht weiter nach Honningsvåg auf der Insel Magerøya.


Die Gegend ist schroff und unwirsch. Der über allem liegende Schnee dürfte ein wenig verhindern, die komplette menschenunfreundliche Trostlosigkeit sichtbar zu machen. Vereinzelt stehen Hütten - manchmal nur eine, manchmal drei oder fünf in der Nähe des felsigen Ufers, während sich dahinter 300 bis 800 Meter hohe Berge erheben. Wie kommt man dort hin? Warum kommt man dort hin? Und was macht man dann da?


...und wer baut und betreibt hier bitte einen Windpark???



Nach dem Festmachen in Honningsvåg werden wir mit Bussen Richtung Norden gebracht werden.


Die Landschaft ist komplett eingeschneit. An den Straßenrändern erkennt man, dass mindestens zwischen ein und eineinhalb Metern Schnee liegen. Wir passieren die nördlichste Shell-Tankstelle der Welt bei exakt 71° nördlicher Breite. Unser Busfahrer (Björn) wurde in dem nördlichsten Fischerdorf der Welt (Skarsvåg) geboren und ist quasi - so erklärte es unsere Guide - der nördlichste Busfahrer der Welt... ;-D
Ab einer Schranke dürfen die Busse nur noch im Konvoi hinter einem Schneepflug her fahren, der unmittelbar die Strecke von Schneewehen und -verwerfungen befreit.


Kurz vor dem Ziel kommen wir vorbei an der Stelle, wo bis zur Erschließung des Nordkapplateaus mit Straßen und sonstiger Infrastruktur die Besucher mit dem Boot an die felsige Steilküste gebracht wurden, um dann per pedes den Aufstieg zu meistern. Diese sehr ursprüngliche Route ist immer noch möglich, wird jedoch nur im Sommer angeboten.
Unsere Reiseführerin kündigt an, dass das Wetter hier sehr wechselhaft sei, was von Vorteil sein kann, da es von schlecht zu gut genau so schnell wechselt, wie umgekehrt.

Wir schaffen es vor den meisten Anderen der Reisegruppe durch die Nordkaphalle (inkl. obligatorischem Souvenirshop, Cafeteria, Ausstellung, 180°-Kino und Kapelle) auf die freie Fläche zum berühmten Globus. Was für eine Aussicht und ein Naturschauspiel! Wolkenfetzen hängen bis zur Meeresoberfläche, Schneeschauer, dann wieder Sonne - es ist atemberaubend, wirklich!




Im Westen, erwas unterhalb des Plateaus, sieht man die Landzunge Knivskjellodden, was soviel heisst, wie "Messermuschellandspitze". Dieses Stück Land liegt nochmal einen guten Kilometer nördlicher als das Nordkapp, ist jedoch nicht ganz so imposant, wie der 300 Meter hohe Schieferfelsen, den der englische Seefahrer Richard Chancellor Mitte des 16. Jahrhunderts zum nördlichsten Punkt Europas erklärte. Die Wanderung zu diesem touristisch nicht erschlossenen Fleck Erde wäre etwas für eine spätere Rückkehr in der warmen Jahreszeit...


Auf einmal werden wir durch ein kühnes Flugmanöver der norwegischen Marineflieger aus unseren Gedanken gerissen, die mit ihrer P3 Orion einmal medienwirksam das Plateau umrunden.


Zurück an Bord geht es weiter nach Osten vorbei an der Felsformation Nordkyn und über die Häfen Kjøllefjord, Mehamn, Berlevåg und Båtsfjord. Außerdem war noch ein Krabbenfischer und seine kleinen Kumpels an Bord...



Am nächsten Reisetag steht Kirkenes uuuuund: EISBADEN (!) auf dem Programm.

Sonntag, 5. März 2017

Tag 5 - Von Stamsund über Svolvær, Stokmarkens, Risøhamn, Harstad und Finnsnes nach Tromsø

Es war bereits dunkel als wir in Stamsund einliefen, vorbei an herrlich beleuchteten Stockfischgestellen, als es plötzlich wieder losging: Polarlichter! Und das bei still liegendem Schiff.




Unter schwächer werdendem Naturschauspiel ging es weiter gen Norden, wo sich das Schiff kurz nach Einfahrt in den Raftsund vor dem Eingang des Trollfjords aufgeschossen hat und nun mit dem Suchscheinwerfer die bis zu 1.000 Meter hohen Felswende ableuchtet. Nun ja, wie Sie sehen, sehen Sie nichts...


Leider ist im Winterhalbjahr die Einfahrt wegen Lawinengefahr nicht Teil des Fahrprogramms. Noch schnell Troll-Drink und Troll-Suppe (die recycelten Dorschrouladen vom Abendessen ;-) zu uns genommen, um Mitternacht Barbara zum 50. (!) Geburtstag gratuliert und ab ins Bett.

Morgens kommen wir früh in Harstad auf den Vesterålen an. Die Temperaturen sind nun deutlich in den Minusgraden. Zwiebeln, lange Unterhosen und Vermummung werden bei längeren Aufenthalten an Oberdeck Pflicht. Nach einem kurzen Stop, der lediglich zum Löschen und Laden von Material verwendet wurde und dem Passieren eines weiteren südgehenden Hurtigrutenschiffes (Richard With)...


... ging es weiter nach Finnsnes und dann nach Tromsø.
Vor dem Einlaufen und bei Sonnenschein und wenigen Wolken, gab es Chance auf Brückenbesichtigung. Das haben wir uns nicht nehmen lassen. Sehr interessant: das Schiff fährt noch immer mit der Originalmaschine, die bereits über 300.000 Betriebsstunden (Anmerkung der Streberin: über 360 000 Betriebsstunden *grins*) auf dem Buckel hat! Weltrekord!


Anschließend liefen wir in Tromsø ein.


Die Eismeerkathedrale war bereits in Sicht, allerdings werden wir diese erst auf der Südtour von Innen sehen.
Heute war erst einmal Hundeschlittentour angesagt, was ein absolutes Highlight war!



Am Abend ging es dann weiter nach Skjervøy, von wo es über Øksfjord weiter nach Hammerfest gehen wird.


Morgen ist Nordkap angesagt!!!


Samstag, 4. März 2017

Tag 4 - von Rørvik, Brønnøysund und Nesna über den Polarkreis nach Bodø

Nach einem großartigen Rentierbraten zum Dinner, das wir mittlerweile mit der 20-Uhr-Schicht einnehmen, um die blaue Stunde besser nutzen zu können, ging es wieder ohne Abdeckung von Schäreninseln über die offene See nach Rørvik.
Während des Abendessens konnten Wetten zum genauen Zeitpunkt der Polarkreisüberquerung am kommenden Vormittag abgegeben werden - dem Gewinner winke ein Preis. Also haben Kurt aus Wien und ich Annahmen getroffen,  die Strecke ab Nesna mit marinetraffic.com vorgekoppelt, per Windfinder die Windvorhersage gecheckt und sind schließlich zu der präzisen Zeit für die Passage gekommen...dazu später mehr...

***

Um 04:15 am Morgen des 4. März war es dann soweit: die Brücke meldet via Bordinfo Aurora Borealis, Northern Lights, Polarlichter im Vorausbereich!
Alarmstart, raus aus dem Bock, rein in die Klamotten, Schuhe an und raus an Deck, wo bereits einige andere Reisende in Position waren.
Die Lichter von Brønnøysund waren bereits voraus in Sicht. Die Augen müssen sich erst an die Dunkelheit gewöhnen. Über dem Schiff können wir nur ein paar Wolken sehen...die sich wabernd, laufend bewegen! In Wirklichkeit ist der Himmel sternenklar. Die vermeintlichen Nebel sind alles schwache Polarlichter. Ob das die Handykameras auch kapieren werden? Dann, Steuerbord voraus! Ich bin mittlerweile in der Nock und habe das Mini-Stativ aufgebaut - an der Reling im mittleren Bereich waren die Vibrationen vom alten Schiffmotor noch zu stark. Den "Pro-Mode" an dem koreanischen Wunderwerk eingestellt (hoher ISO-Wert, lange Verschlusszeit, Fokus auf manuell und unendlich...) - erste Aufnahme: alles schwarz. Super! :-( Zweiter Versuch...wieder nichts...naja, Moment genießen und in den Himmel starren...und die Mitreisenden bestaunen, die mit Blitz (!) und Handydisplayhelligkeit auf "Supernova" wenigstens den anderen Fotoprofis nebenbei die Aufnahmen versauen.

Dann die Idee: Vielleicht - aber nur vielleicht - könnte es helfen die Schutzkappe vom Objektiv zu nehmen...?
Super Idee, denn, et voila:



Nach einer halben Stunde und ersten Erfrierungserscheinungen der äußeren Gliedmaßen sind wir dann wieder auf die Kammer. Die Nacht ging es vorbei an dem Torghatten und den Sieben Schwestern, die wir hoffentlich bei ebenso gutem Wetter während der Tagpassage auf dem südgehenden Teil der Reise bestaunen können werden.
Ich werde kurz wach als wir in Nesna ablegen...es ist bereits 6 Uhr. Eigentlich sollte schon um halb sechs abgelegt werden - und dann geht die Maschine aus. Also haben wir erst angelegt...soso Hurtigruten, immer pünktlich, warten nicht und so...
Na, jedenfalls ist damit die Hochpräzisionsberechnung vom gestrigen Abend für die Meerkatz'...
Um halb sieben ist die kleine Schäreninsel Vikingen in Sicht und zwölf Minuten später überqueren wir bei 66° 33' und 55" die Linie, auf der die Sonne zur Sommersonnenwende im Osten aufgeht und damit die Phase der Mitternachtssonne einläutet. Wir sind nun keine Normalsterblichen mehr, sondern NORDMEERFAHRER - HARRRR.



Die entsprechende Taufe der Staubgeborenen durch Neptun, den Herrscher aller Meere, Seen und Flüsse, Teiche und Tümpel erfolgte postwendend auf dem Achterdeck. Die Täufer waren so gründlich mit dem Eiswürfelwasser, dass wir anschließend unsere Unterbuxen wechseln durften.



Anschließend ging es weiter entlang atemberaubender Landschaft nach Bodø, wo es zweieinhalb Stunden Landgangschance gab. Nach dem obligatorischen Besuch im Quiltladen, bummelten wir durch die, nun ja, relativ zweckmäßige Stadt. Leider fiel das alte Bodø im zweiten Weltkrieg den deutschen Bomben zum Opfer. Die Hauswand und die Seeadler unten sind da noch das Erwähnenswerteste.





Noch schnell ein paar Krabben am Kutter im Hafen, der unglaublich klares Wasser hatte, gekauft und zurück an Bord.



Auslaufen Bodø, vorbei an Landego Fyr und bei strahlendem Sonnenschein und fast spiegelglatter See über den Westfjord Richtung Lofoten...



...wo wir gegen 7 Uhr in Stamsund angekommen sind.



Nun geht es nachts über Svolvær durch den Raftsund und vorbei am Trollfjord.

Freitag, 3. März 2017

Tag 3

Heute am Tag 3 auf der MS Lofoten (laut Hinnerk Seetag 2. weil am 1. Tag nur Auslaufen aus Bergen auf dem Programm stand... ääh ja..) ging es nach Trondheim.
Hier könnt ihr mal sehen wie umständlich ursprünglich hier noch die Ladung ins Schiff gebracht wird
Krass oder?



Dann lag hinter uns die MS Nordkapp aus der Hurtigruten Flotte und natürlich wollten wir ääh ich mir die ansehen (Hinnerk musste mit!)
Naja hmm was soll ich sagen? 
Nur so viel: 
1. Wir haben alles richtig gemacht bei der Wahl des Schiffes 
2. Es spricht für sich ganz alleine, dass ich kein weiteres Bild der MS Nordkapp habe
;-)



Trondheim hat auch wirklich nette Häuschen...



Diese Teilchen sind dafür umso leckerer!!!
Falls ihr so etwas mal entdeckt:
PROBIEREN!



Etwas irritiert war ich allerdings von den immer wieder auftauchenden Skifahrern!!!
Mitten in der Stadt! :-D



Nach dem Besuch eines Quiltladens sind wir noch in den Dom...




WUNDERSCHÖN!
Wirklich schön... leider ist innen absolutes Foto-Verbot...
Ich hätte euch wirklich sooo gerne Bilder gezeigt...



Am Ende haben wir die Zeit allerdings aus den Augen verloren und mussten wahrhaftig zur MS Lofoten rennen!!!!
Und das über vereiste Wege!!!
Ööhm ja, so ein Postschiff wartet eben nicht. ..
*räusper*
Hier ist außerdem unsre Kabine ;-)



Tiiief durchatmen...



*schmelz*



Diese Art des Reisens ist echt total entschleunigend... also wenn man AN Bord ist :-D



Und dann gibt es noch die "blaue" Stunde
Das Bild bringt es ganz gut rüber!!!
Krass oder?
Und so wunderschön!
Ach ja, es wird stündlich und spürbar kälter....
Morgen werden wohl die langen Unterbuxen ausgepackt... ääh angezogen :-)



Ganz liebe Grüße 
Susanne

Nachklapp zu Seetag 1 - Wahrschau Kultur: Jugendstil

Auf besonderen Wunsch anbei ein paar Impressionen aus Ålesund. ;-)






Wahrschau ist außerdem Seemännisch für Wahrnehmen&Schauen....
Wusste ich bis dato auch nicht :-)

Donnerstag, 2. März 2017

Seetag 1 - von Bergen über Florø, Måløy, Torvik und Ålesund nach Kristiansand

Nach einem köstlichen Abendessen hieß es um 22:30 alle Leinen los und ein.
Schnell ging es aus den schützenden Fjorden vor Bergen auf die offene See, so dass wir etwas von einer Dünung aus westlicher Richtung bei nördlichem Kurs hatten - sprich das Schiff fuhr quer zur See und wir konnten erst einmal testen, ob wir alles seeklar verstaut hatten...dreimal darf geraten werden...
Ich habe geschlafen, wie ein Stein, während Susanne nicht wirklich Ruhe finden konnte.
Den nächtlichen Stop in Florø haben wir nicht weiter ernst genommen, sondern ausgiebig ausgeschlafen und (spät) gefrühstückt - nicht ohne zwischendurch die blaue Stunde mitzunehmen.


Nach dem kurzen Zwischenstop in Måløy, bei dem lediglich geringe Mengen Ladung gelöscht und geladen sowie 2-3 Passagiere von Bord gelassen wurden, ging es weiter durch den Ulvesundet gen Norden - das ganze bei STRAHLENDEM SONNENSCHEIN versteht sich. Dabei passierten wir atemberaubende Felsformationen, die sich unmitelbar vom Ufer auf bis zu 800 Meter bezuckerte Gipfel erheben.


Es war interessant zu sehen, dass in diversen kleinen Häfen, die nicht größer sind als eine Marina, diverse Plattformversorger aus dem Öl & Gas-Bereich aufgelegt wurden, um die Flaute im Markt zu sehr wahrscheinlich niedrigsten Liegekosten abzuwarten.


Nach einem weiteren Stop-and-Go in Torvik auf der Insel Leinøya wurde gegen Mittag in Ålesund, bekannt für seine Häuser im Jugendstil, festgemacht. Dort gingen wir auch sofort von Bord, bummelten durch die Stadt, bestaunten die wirklich schönen Hausfasaden und bestiegen den Hausberg Aksla. Die Mühe wurde durch eine wirklich tolle Aussicht belohnt.



Nachtrag: die Mühe???
Ey das war mörderisch!!!
Boah was hab ich Hinnerk verflucht... oben "begrüsste" uns dann auch noch ein Bus (den hätte ich am liebsten...)
Aber die Aussicht war, nachdem ich wieder Luft bekommen hab, echt toll!
:-D


Bei weiterhin fantastischen Bedingungen ging es vorbei an diversen Fischfarmen, wo das Abendessen von morgen gezüchtet wird, zu einem Stop in Molde, den wir allerdings beim Abendessen verbrachten.


Jetzt ist Kurs auf Kristiansand gesetzt, wo wir nur 60 Minuten festmachen werden.

Frische und vor allem Seeluft macht müüüüde...daher werden wir nun ersteinmal Kraft schöpfen gehen...also vielmehr liegen...

Ich lag um 20 Uhr im wirklich bequemen Bett und hab Kristiansand gar nicht mehr mitbekommen :-D das war in dem Moment einfach wichtiger...